Definition Schultheater


Schultheater ist Laienspiel- oder Amateurtheater, das in Schulen mit Schülerinnen und Schülern stattfindet.
Heutiges Schultheater hat seine Bezugspunkte in der Laienspielbewegung der Reformpädagogik und in der Renaissance der Theaterpädagogik der heutigen Zeit. Die Ursprünge liegen weiter zurück und finden sich im Jesuitentheater und protestantischen Schultheater ab dem 16. Jahrhundert.
Eduard Haueis erklärte das Verschwinden der Bedeutung des Schultheaters mit dem Aufkommen des Aufsatzes. Es gibt dabei nahezu keine Begrenzung und Abgrenzung hinsichtlich irgendwelcher Richtungen oder Gattungen innerhalb des gesamten Komplexes "Theater."Es gibt nichts im Theater, was es im Schultheater nicht auch geben könnte. Dabei geht es um drei sehr unterschiedliche Richtungen: Ein (Lehrer-) Regisseur verwirklicht sich selbst indem er Schülerinnen und Schüler zu Handlungsträgern seiner Vorstellungen und Interpretationen macht. Theaterspielen mit Schülern wird zu einem pädagogischen Lernfeld. Es geht dabei vorrangig um Lernerfahrungen in projekthaften Lernsituationen. "Theaterprojekte" werden als besonders exemplarisch in der entsprechenden Literatur aufgeführt. Theaterpädagogik und szenisches Lernen liefert sicher keine Globallösungen und Geheimrezepte für äußerst komplexe gesellschaftliche Vorgänge. Aber sie bietet eine Reihe von Ansatzpunkten die Dinge zu klären und den Menschen zu stärken (v.Hentig). Unsere Schulen müssen mehr zu Stätten kultureller Ereignisse und Begegnungen werden. Die kulturelle Identität einer Gesellschaft zeigt sich auf Dauer mehr an der Qualität der Beteiligungsprozesse als an der Quantität ihres kulturellen Konsumverhaltens. Aber vom Theaterspielen verstehe ich etwas und behaupte, dass, wenn ein Mensch einen anderen darzustellen sich bemüht und nicht nur den Schauspieler nachmacht, der diesen spielt, er einen ungeheuren Schritt zur Erweiterung und Vermenschlichung seiner selbst tut. Ja, ich behaupte darum, dass das Theaterspiel eines der machtvollsten Bildungsmittel ist, die wir haben: ein Mittel, die eigene Person zu überschreiten, ein Mittel der Erkundung von Menschen und Schicksalen und ein Mittel der Gestaltung der so gewonnenen Einsicht." (Hartmut v. Hentig Bildung, München 1996 S.119) Es geht in Schultheaterprojekten zuallerst um ästhetische und literarische Erfahrungen. "Priorität hat das künstlerische Tun, hat die Ästhetik des Theaters. Schultheater ist kein Mittel, kein Instrument, das in Wahrheit andere Interessen verfolgt. Selbsttätigkeit, kommunikatives und soziales Verhalten sind hier Sekundärtugenden, die nebenbei von selbst entstehen, wenn der ästhetische Prozess sinnvoll angelegt und erfahrungs-reich vorankommt." (Hajo Kurzenberger)


Quelle: Seminar Meckenbeuren