Definition Spiel


Alltagsbegriffe wie Spiel sind nicht selten schwer zu definieren. Ganze Regale in Bibliotheken können mit den Versuchen, einen Spielbegriff zu definieren, gefüllt werden. Es gibt keine definitive Erklärung des Begriffes "Spiel" Allenfalls Annäherungen. Einig sind sich alle Autorinnen und Autoren, dass Spielen ein elementares Wesensmerkmal des Menschen ist und untrennbar mit den Prozessen der Weltaneignung also des Lernens verbunden ist. Damit scheitert schon der Versuch Spiel in Abgrenzung zu Arbeit eine Zweckfreiheit zu unterstellen. Denn, um es endlich einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. (Friedrich Schiller, Briefe zur ästhetischen Erziehung des Menschengeschlechts)
Nur, menschenspezifisch ist der Spielbegriff nicht. Auch Affen spielen, Hunde, Katzen, Löwen, usw. Wir sagen auch "Die Bäume spielen im Wind", sprechen von "Spielwiesen", verbinden also den Spielbegriff mit Naturerfahrungen. Spielen erscheint als eine elementare Handlungsweise des Lebens. Spiel ist immer Handeln einer ganz besonderen Art. (Rolf Oerter)Psychologie des Spiels; Beltz tb 46 1999)
Vom Handeln im Spiel als Selbstzweck, also Handlung um der Handlung willen. Von der Konstruktion oder der Rekonstruktion von Realität. Spiel als Aneignung von Wirklichkeit. Von der Festigung der Wirklichkeitswahrnehmung durch Wiederholung und Rituale, was sich besonders ausgeprägt in den Spielen der Erwachsenenwelt zeigt. (Sport, Theater, Liturgie)
Andererseits zeigt sich im Ritual eine Paradoxie des Spiels, ... Obwohl das Spiel Handlungsfreiheit eröffnet, wird diese zugleich durch Regeln eingeschränkt.
Andreas Flitner schreibt im Vorwort seines Buches "Spielen - Lernen. Praxis und Deutung des Kinderspiels. (10. Aufl. München 1992)" folgenden bemerkenswerten Satz: "Homo ludens - der Mensch ist ein Spieler -, zumal dort, wo er nicht mit der unmittelbaren Fristung seines Lebens beschäftigt ist, wo seine Muße, seine Kultur, seine Erfindungsgabe, auch seine Wissenschaft zum Zuge kommen. Die Fähigkeit zu spielen ist ein Kulturphänomen ersten Ranges, vielleicht sogar, wie Johan Huizinga behauptet, Wurzel der Kulturbefähigung überhaupt. Wie sollten wir nicht darauf achthaben, wie der Wurzelgrund dieser Fähigkeit, nämlich das Spielen der Kinder, beschaffen ist und was diese Grundlage heute gefährdet."


Quelle: Seminar Meckenbeuren