Szenisches Spiel. Nach Ingo Scheller ist szenisches Spiel
"Handeln in vorgestellten Situationen." Lernen findet nach
Scheller immer in Szenen statt, in die Lernende und Lehrende mit allen
Sinnen eingebunden sind. In diesen Szenen beschäftigen nicht nur die Inhalte,
sondern immer auch der Raum, die Zeit, Gegenstände, das Auftreten und die
körperlichen, gestischen, mimischen und sprachlichen Handlungen und
Interaktionen der Personen, die gesehen, gehört, ertastet und manchmal auch
errochen werden. Diese Wahrnehmungen unterstützen die Erinnerung, rufen
Gefühle, Phantasien, Gedanken und Übertragungen hervor. Schellers Anliegen ist
die Stärkung des Menschen. Das braucht aber eine authentischere Schule, die
den Menschen nicht entfremdet von sich selbst, sondern ihm hilft auf seinem
Weg zur Entwicklung einer Persönlichkeit. Seine Antwort auf diese zentrale
Fragestellung und ihre Spezifizierung hinsichtlich der Lernprozesse heißt
szenisches Spiel. Es geht vorwiegend
um pädagogische Prozesse. Seine Übungen und Methoden, die allesamt der
Theaterpädagogik und dem Psychodrama entstammen setzt er gezielt ein, damit
die Lernenden und die Lehrenden im Schutz der Rolle menschliche Verhaltensweisen
erkunden und dadurch lernen, dies auch auf eigene Haltungen anzuwenden.
Damit die Spieler und Spielerinnen lernen, sich in diese Rollen einfühlen zu
können, arbeitet Scheller mit, wie er es nennt Verfahren des szenischen
Spiels Wahrnehmungsübungen, Vorstellungsübungen, Körper- und Bewegungsübungen,
Sprechübungen, Rollenschreiben, Rollengespräche, Standbilder, Szenische
Improvisation, Szenisches Spiel im engeren Sinn und als letztes die szenische
Demonstration. Diese Verfahren entstammen aus unterschiedlichen Bereichen.
Neben spiel- und theaterpädagogischen Bereichen und Methoden des Psychodramas,
aus Bereichen der Wahrnehmungs- und Phantasieübungen findet man eine Reihe
Übungen, die Scheller hier aufführt in Veröffentlichungen zum kreativen
Schreiben. Szenisches Spiel kann, muss aber nicht zwangsläufig
darstellendes Spiel sein. Szenisches Spiel im engeren Sinn bedeutet
Vorerfahrungen und Vorkenntnisse bei den Spielern. Das Handeln aus einer
gewissen Rollendistanz tritt nun wieder in den Hintergrund und die spielende
Person bringt sich selbst bewusst in die gespielte Rolle ein. Dieser
Prozess des Sich selbst über sich Bewusstwerdens ist Schellers zentrales
Anliegen seiner Intentionen und szenischen Handlungen. Szenisches
Spiel kann, muss aber nicht nach außen präsentiert werden. Es kann genauso
gut innerhalb einer Gruppe als Reflexionsmethode eingesetzt werden.
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